Die Hand rutscht ab vom Seil … bewegt sich kurz zur Augenbinde, hält inne und sucht wieder das Führungsband. Es ist um einen Baum geschlungen, führt über einen umgeworfenen Stamm, durch Dickicht und über ein kleines Rinnsal. Am letzten Baum angekommen holt Benni tief Luft. „Ganz schön anstrengend“, schnauft er und lässt sich zu den anderen Jungen ins Gras fallen.

Der 14-Jährige ist bei der „Nacht des Feuers“ dabei, die Uwe Werner mit Vätern und Paten für Jungen an der Schwelle zum Mann-Sein gestaltet. Auf einem Privatgrundstück im Kellerwald hat der 40-jährige Sozialpädagoge, der im Amt des Diakons in Kassel in Teilzeit beschäftigt ist, ein Indianer-Tipi aufgestellt, in dem alle schlafen. Unter einem Dreibein lodert ein Feuer, für die Suppe schnippeln alle gemeinsam Gemüse. Die Jungen haben das Holz aus dem Wald herbeigeschafft, Väter und Paten haben die Versorgungsstation errichtet und den Erlebnis-Parcours gebaut.

Den Übergang gestalten

Die Stationen sind Herausforderungen mit symbolischem Charakter. Mit der Binde vor Augen müssen die Jungen fühlen, innerlich aufmerksam sein, grundsätzlich Vertrauen aufbauen: Qualitäten, die sie im Übergang von der Pubertät zum Erwachsensein brauchen.

Fast ein Jahr lang dauerte die Vorbereitung, einen Nachmittag pro Woche hat sich Uwe Werner mit dem Projekt beschäftigt, hat das Märchen vom Eisenhans auswendig gelernt, von dem er an jeder Station einen Teil erzählt. „Die Treffen mit Vätern und Paten waren sehr wichtig“, erklärt er, „so haben wir nicht nur eine Arbeitsgrundlage und ein Thema, sondern sprechen die gleiche Sprache und haben für diese Zeit einen gemeinsamen Geist.“ Denn nicht nur für die Jungen ist es ein Übergang, die Väter stehen vor der Aufgabe, die Kinder loszulassen und deren eigenen Weg zu respektieren. (Weiterlesen…)

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